Biodiversität im Wald

Januar

schneebedeckter NadelwaldZoombild vorhanden

Biodiversität im Wald

Biodiversität im Wald
Biologische Vielfalt ist der Reichtum an Arten, Lebensräumen und Ökosystemen, aber auch die genetische Vielfalt innerhalb einzelner Pflanzen- oder Tierarten. Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit.
Die Bayerische Biodiversitätsstrategie steht im Zusammenhang mit vielen anderen Leitlinien und Vorgaben. Das europaweite Schutzgebietsnetz Natura 2000 ist einer dieser Bausteine. Das "Regionale Kartierteam Natura 2000" für Oberbayern ist an unserem Amt angesiedelt. Wir kartieren den Wald in den oberbayerischen Natura 2000-Gebieten, bewerten den Erhaltungszustand der Schutzgüter und planen erforderlichenfalls Erhaltungsmaßnahmen.
Maßnahmen im Wald, die NATURA 2000 im Bereich von Ebersberg und München betreffen, werden von unserem Gebietsbetreuer am Amt fachlich bearbeitet.

Februar

HirschkäferZoombild vorhanden

Hirschkäfer

Klosterwald Maria Eich in Planegg, Bayerischer Biodiversitätspreis 2016
Im Wald bei Maria Eich ist die biologische Vielfalt in einer Fülle, wie man sie heute kaum noch findet, lebendig. Teils absterbende, vereinzelt auch bereits tote, bis zu 300 Jahre alte Methusalem-Eichen zeugen von der historischen Wald-Weide-Nutzung. Sie sind vor allem Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten, wie den Hirschkäfer.
238 Holzkäferarten und damit ein Sechstel der xylobionten Käferarten Deutschlands konnten nachgewiesen werden. Darunter sind nicht nur 88 Arten der Roten Listen. Mindestens acht Urwaldreliktarten sind echte Raritäten, man findet sie nur in sehr alten Wäldern oder Urwäldern.
Um der besonderen Bedeutung des Waldbestands gerecht zu werden und ihn zu bewahren, haben sich Grundeigentümer, Gemeinde und Landkreis in einer Projektallianz zusammengeschlossen.

März

Moorsee mit UferböschungZoombild vorhanden

Deininger Moor bei Dingharting

Deininger Moor bei Dingharting
Moore wurden in der Vergangenheit durch menschliche Eingriffe oft verändert. In den Waldgebieten sind Hoch- und Übergangsmoore heute noch überwiegend intakt. Moore sind bedeutende Wasserspeicher sowie Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten. Intakte Moore binden klimaschädliches Kohlendioxid und entziehen es damit langfristig der Atmosphäre.
Im Deininger Moor bei Dingharting bleiben durch das enge Nebeneinander vielfältiger Lebensräume wie Streuwiesen, Hochstaudenfluren, Feuchtgebüsche, Nieder- und Hochmoorflächen sowie Moorwälder eine vielfältige Flora und Fauna mit zahlreichen seltenen und bedrohten Arten erhalten. Mehr als 230 Pflanzen- und über 150 Tierarten konnten in den letzten 30 Jahren nachgewiesen werden.

April

Bach im WaldZoombild vorhanden

Waldbach im Isartal bei Grünwald

Waldbach im Isartal bei Grünwald
Waldbäche durchziehen als vielfältige Lebensadern unsere Wälder. Sie sollen künftig noch stärker als vernetzende Achse der Biodiversität im Blickpunkt stehen (Bayerisches Gewässer-Aktionsprogramm 2030).
Entlang der Bäche fördert man im Wald gezielt Erlen und Weiden. Deren Wurzeln schützen die Bachufer vor Erosion, während die Kronen das Wasser im Sommer kühl und sauerstoffreich halten. Von den Blättern leben Eintagsfliegen und Bachflohkrebse, die Nahrung für Fische sind.
Waldbäche wie hier im Auwald der Isar südlich von Grünwald sind ebenso wertvoller Rückhaltebereich bei Hochwasser.

Mai

Rotmilan in der LuftZoombild vorhanden

Rotmilan in der Luft

Rotmilan in den Wäldern von Aying und Glonn
Nur in Europa und mit vielleicht nur noch rund 25.000-35.000 Brutpaaren, davon über die Hälfte in Deutschland: Für den Rotmilan haben wir eine besondere Verantwortung. Bis zu 1,60 m ist die Spannweite der "Gabelweihe", wie der schöne und elegant fliegende Greifvogel im Volksmund auch genannt wird. Der Rotmilan ist streng geschützt.
Im Frühjahr kehrt der Zugvogel in sein gewohntes Revier zurück, Paare bleiben sich hier über Jahre treu. Eine ausgewogene Mischung aus Offenland und Wald für ein breites Nahrungsangebot sind ideal, ebenso starke Bäume in den Randbereichen von Wäldern für den Nestbau.
Ein Wald mit starken "Traufbäumen" gewährleistet somit die Rotmilan-Population.

Juni

TotholzZoombild vorhanden

Naturwaldreservat Geuderleite im Isartal bei Baierbrunn

Naturwaldreservat Geuderleite im Isartal bei Baierbrunn
Naturwaldreservate repräsentieren die natürlichen Waldgesellschaften Bayerns, dienen der Forschung sowie der Sicherung der biologischen Vielfalt. Abgesehen von notwendigen Maßnahmen des Waldschutzes und der Verkehrssicherung finden keine Bewirtschaftung und keine Holzentnahme statt. Sie sind Hot Spots der Biodiversität.
Heute verfügt Bayern über 165 Naturwaldreservate mit 7.525 Hektar Fläche sowohl im Staatswald als auch im Privat- und Kommunalwald.
Südlich Münchens durchfließt die Isar in einem steilwandigen Tal die Moränenlandschaft. Gegenüber dem Georgenstein, einem in die Isar herabgestürzten Nagelfluhfelsen, umfasst das Naturwaldreservat "Geuderleite" einen Teilbereich der links des Flusses gelegenen Hangflächen. Hier entwickelt sich Urwald im Isartal.

Juli

handschuhumgriffene FledermausZoombild vorhanden

Fledermäuse im Ebersberger Forst

Fledermäuse im Ebersberger Forst
Fledermäuse bevorzugen als Lebensraum möglichst naturnahe, reich strukturierte Laub- und Mischwälder und offenes Gelände. Nachts jagen sie nach Insekten, tagsüber ziehen sie sich in Baumhöhlen, Efeu berankte Bäume, Spalten, Höhlen oder Gebäude zurück. Hier finden sie Schutz vor schlechter Witterung und Feinden.
Fledermausarten leben seit 50 Millionen Jahren auf unserer Welt. Heute ist der Bestand fast aller Arten gefährdet.
Fledermaus - Hilfsprojekt
Eines der größten Fledermaus - Hilfsprojekte in Bayern ist das "1000 Fledermauskästen-Programm" im Ebersberger Forst, betreut von den ehrenamtlich wirkenden "Flausmeistern". Das Programm schafft übergangsweise Wohnraum, bis mit dem Waldumbau des Forstbetriebes Wasserburg der Bayerischen Staatsforsten mehr natürliche Höhlen für die Nachtschwärmer vorhanden sind.

August

Tannenzapfen am BaumZoombild vorhanden

Tannenzapfen

Tannenzapfen
Genetisch diverse Wälder schaffen viele Nischen, um eine hohe Vielfalt von anderen Organismen zu beherbergen. Auch die Anpassungsfähigkeit und Resistenz der Wälder für ihre langfristige Stabilität und Widerstandskraft im Klimawandel hängen stark von der genetischen Vielfalt der Baumbestände ab. Ein sorgsamer Umgang mit dieser Ressource ist daher notwendig. Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung muss auch genetisch nachhaltig sein.
Förderung für Tannenpflanzung
Die Tanne wäre von Natur aus in den Wäldern unserer Region stärker beteiligt, als dies heute der Fall ist. Das Erhöhen ihres Baumartenanteiles ist auch ein wichtiges Ziel der Biodiversität.
Anpflanzungen mit der Tanne erhalten einen Zuschlag aus dem Förderprogramm WaldFÖP der Bayerischen Forstverwaltung, wenn Forstpflanzen aus zertifiziertem Tannensaatgut verwendet werden.

September

kleines perennierendes Stillgewässer im WaldZoombild vorhanden

Waldweiher in Taufkirchen

Waldweiher in Taufkirchen
Waldweiher, Tümpel und Feuchtbiotope sind Wasserreservoir und Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren. Sie spielen eine wichtige Rolle als Laichgewässer für unsere heimischen Amphibien. Der Bayerische Biodiversitätspreis "NaturVielfaltBayern" stand 2018 unter dem Motto "Stehende Kleingewässer - (H)orte der Artenvielfalt".
Auf natürliche Weise werden Tümpel bei der Schneeschmelze im Frühling, bei heftigen Regenfällen, bei Überschwemmungen oder beim Austritt von Grundwasser in Senken gebildet. Auf der Münchner Schotterebene mit ihren Kiesböden müssen Feuchtbiotope und Waldweiher künstlich gebaut werden. Wie hier einer der schönen Waldweiher im Privatwald vom Hofgut Greif in Taufkirchen.

Oktober

Waldkauz in einem BaumZoombild vorhanden

Waldkauz am Steinsee

Waldkauz am Steinsee
Waldkäuze sind ausgeprägte Standvögel, die ihr Revier auch im Winter nicht verlassen. Die Größe des Jagdgebietes schwankt in Abhängigkeit davon, wie strukturreich das Gebiet ist, wie zahlreich Beutetiere vorkommen und ob eine entsprechende Anzahl von Jagdplätzen zur Verfügung steht.
Ein Waldkauz nutzt ein einmal erobertes Revier gewöhnlich für den Rest seines Lebens. Die Vertrautheit mit dem Revier ist eine wesentliche Voraussetzung, um auch bei Nahrungsengpässen zu überleben.
Unser Waldkauz hat das Glück, dass im Forstrevier Glonn des Forstbetriebes München der Bayerischen Staatsforsten diese starke Buche mit Baumhöhle vorhanden ist. Das Erhalten von Höhlenbäumen ist ein wichtiges Ziel im Waldnaturschutz.

November

WaldsaumZoombild vorhanden

Waldsäume an den Rändern der großen Forstgebiete

Waldsäume an den Rändern der großen Forstgebiete
Waldränder sind als Lebensraum für die Fauna von großer Bedeutung. Dazu bieten sie Deckung und Schutz, sind Nahrungsquelle und Trittstein zwischen Waldbestand und angrenzender Fläche.
Idealerweise geht ein Krautsaum aus Gräsern und Wiesenblumen fließend in ein Gestrüpp aus Brombeere, Sträuchern und Jungbäumen über. Anschließend an diesen Strauchgürtel kommen Bäume mittlerer Höhe wie Vogelbeere oder Wildobst hinzu.
Das waldbauliche Förderinstrument WaldFÖP der Bayerischen Forstverwaltung unterstützt private und kommunale Waldbesitzer, die im Rahmen einer Kulturbegründung in Maßnahmen für einen stufigen Waldrand investieren.

Dezember

umrankte HöhlenbäumeZoombild vorhanden

Die Angerlohe und der Allacher Forst in München

Die Angerlohe und der Allacher Forst in München
Das FFH-Gebiet "Allacher Forst und Angerlohe" im Stadtgebiet München beherbergt die großflächigsten Restbestände des ehemaligen Lohwaldgürtels auf der Münchener Schotterebene. Dieser Wald-Lebensraumtyp "Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald" ist in Südbayern selten und besonders erhaltenswert.
Für die Biodiversität sind neben den charakteristischen Arten des Lebensraumes der Erhalt einer naturnahen Struktur und eines ausreichenden Angebotes an Höhlenbäumen wichtige Faktoren.
Die Forstverwaltung der Stadt München unterstützt diese Ziele mit einem Bündel an Maßnahmen. Für die naturschutzorientierte Bewirtschaftung von Wäldern gewährt der Freistaat Zuwendungen nach dem Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm Wald.